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Arzneimittel-Wechselwirkungen

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Polymedikation & Wechselwirkungen

Warum Ihre Medikamente regelmäßig überprüft werden sollten...

Wenn aus Hilfe ein Risiko werden kann

Viele Menschen in Deutschland nehmen täglich mehrere Arzneimittel ein – verordnet von verschiedenen Ärztinnen und Ärzten, ergänzt durch frei verkäufliche Präparate aus der Apotheke, Vitaminpräparate aus dem Drogeriemarkt oder pflanzliche Mittel aus der Schublade. Jedes einzelne dieser Mittel hat seine Berechtigung. Die Summe aller Mittel jedoch wird oft von niemandem mehr im Zusammenhang betrachtet.

 

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Genau hier setzen wir in der Löns Apotheke an. Mit der Erweiterten Medikationsberatung bei Polymedikation – einer pharmazeutischen Dienstleistung, die seit 2022 von der gesetzlichen Krankenversicherung finanziert wird – nehmen wir uns Zeit, Ihre gesamte Medikation strukturiert zu analysieren. Wir prüfen, ob alle Mittel zueinander passen, ob Dosierungen stimmen, ob Wechselwirkungen drohen und ob es Wege gibt, Ihre Therapie sicherer, einfacher oder verträglicher zu machen.

Auf dieser Seite erklären wir Ihnen, was Polymedikation eigentlich bedeutet, warum sie ein medizinisches Risiko sein kann, welche Arten von Wechselwirkungen es gibt – und wie Sie davon profitieren, wenn Sie sich bei uns beraten lassen.


 

Was bedeutet Polymedikation?

Von Polymedikation spricht man in der Fachwelt, sobald jemand dauerhaft fünf oder mehr Arzneimittel gleichzeitig einnimmt. Diese Schwelle ist nicht willkürlich gewählt: Studien zeigen, dass ab dieser Anzahl das Risiko für unerwünschte Wirkungen, für Wechselwirkungen und für Krankenhauseinweisungen deutlich steigt – und zwar überproportional. Jedes weitere Medikament erhöht dieses Risiko zusätzlich.

In Deutschland nimmt etwa jeder dritte Mensch über 65 Jahren fünf oder mehr Wirkstoffe pro Tag ein. Bei den über 80-Jährigen ist es fast jeder zweite. Hinzu kommen die Mittel, die Patientinnen und Patienten ohne Rezept kaufen: Schmerzmittel, Magenmittel, Schlafmittel, pflanzliche Präparate, Nahrungsergänzungsmittel. Diese Mittel landen oft auf keinem Medikationsplan, obwohl auch sie pharmakologisch hochaktive Substanzen enthalten können.

Polymedikation ist also kein Randphänomen. Sie ist Alltag – und sie braucht eine sorgfältige, regelmäßige Begleitung.


 

Warum viele Medikamente eine besondere Herausforderung sind

Jedes Medikament wird vom Körper aufgenommen, verteilt, in der Leber verstoffwechselt und über die Niere oder den Darm ausgeschieden. Diese Wege nutzen viele Wirkstoffe gemeinsam. Wenn mehrere Medikamente gleichzeitig auf denselben „Abbauweg“ angewiesen sind, können sie sich gegenseitig beeinflussen: Einer wird langsamer abgebaut und wirkt stärker, ein anderer wird schneller ausgeschieden und wirkt schwächer.

Hinzu kommt: Mit zunehmendem Alter verändert sich der Körper. Die Nierenfunktion lässt nach, die Leber arbeitet langsamer, der Wasseranteil im Körper sinkt, die Empfindlichkeit gegenüber bestimmten Wirkstoffen – etwa beruhigenden Mitteln oder Blutdrucksenkern – nimmt zu. Eine Dosis, die mit 50 Jahren genau richtig war, kann mit 75 Jahren bereits zu hoch sein.

 

Die typischen Folgen einer unbemerkten Über- oder Fehlmedikation sind:

  • Müdigkeit, Konzentrationsstörungen oder Schwindel

  • Stürze, häufig mit schwerwiegenden Folgen wie Knochenbrüchen

  • Verwirrtheitszustände, die fälschlich als beginnende Demenz gedeutet werden

  • Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit, Appetitverlust

  • Blutdruckabfälle, Herzrhythmusstörungen

  • vermeidbare Krankenhausaufenthalte

 

Schätzungen gehen davon aus, dass in Deutschland jährlich über 250.000 Krankenhausaufenthalte auf vermeidbare Arzneimittelnebenwirkungen oder Wechselwirkungen zurückgehen. Ein erheblicher Teil davon ließe sich durch eine sorgfältige Medikationsanalyse verhindern.


 

Was sind Wechselwirkungen – und welche Arten gibt es?

Eine Wechselwirkung liegt vor, wenn ein Arzneimittel die Wirkung eines anderen Arzneimittels verändert – verstärkt, abschwächt oder verfälscht. Dabei reicht das Spektrum von harmlosen, kaum bemerkbaren Effekten bis hin zu lebensbedrohlichen Situationen. Vier Hauptkategorien sind in der Praxis besonders relevant:

1. Arzneimittel mit Arzneimittel

Das ist die klassische Wechselwirkung, die viele Patienten im Sinn haben. Ein Beispiel: Wer einen modernen Blutverdünner einnimmt und gleichzeitig zu einem entzündungshemmenden Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac greift, erhöht sein Blutungsrisiko deutlich – sowohl im Magen-Darm-Trakt als auch im Gehirn. Ein anderes Beispiel: Bestimmte Antibiotika können den Blutspiegel von Cholesterinsenkern aus der Statin-Gruppe so stark erhöhen, dass Muskelschäden drohen.

2. Arzneimittel mit Nahrung oder Getränken

Auch was wir essen und trinken, kann Medikamente beeinflussen. Grapefruit ist das bekannteste Beispiel: Ihr Saft hemmt ein wichtiges Abbau-Enzym in der Leber und kann den Blutspiegel zahlreicher Medikamente – etwa bestimmter Blutdrucksenker, Cholesterinmittel oder Beruhigungsmittel – auf ein Vielfaches erhöhen. Milch und Milchprodukte können die Aufnahme bestimmter Antibiotika und Schilddrüsenhormone behindern. Grüner Tee oder Kaffee in größeren Mengen können die Wirkung mancher Eisenpräparate oder Schilddrüsenmittel reduzieren. Alkohol verstärkt die Wirkung vieler Schmerz-, Schlaf- und Beruhigungsmittel oft erheblich.

3. Arzneimittel mit Erkrankung

Manche Medikamente, die bei einer Erkrankung helfen, können eine andere bestehende Erkrankung verschlechtern. So können einige Schmerzmittel den Blutdruck steigern oder die Nierenfunktion belasten. Bestimmte Antidepressiva können die Symptome eines Glaukoms (grüner Star) verstärken. Klassische Schlafmittel erhöhen bei älteren Menschen das Sturzrisiko erheblich. In all diesen Fällen ist der einzelne Wirkstoff nicht „falsch“ – er passt nur nicht zur Gesamtsituation des Patienten.

4. Arzneimittel mit Selbstmedikation, Tee und Nahrungsergänzungsmitteln

Was viele unterschätzen: Auch frei verkäufliche Mittel können kräftig in die Therapie eingreifen. Johanniskraut etwa ist ein bewährtes pflanzliches Mittel gegen leichte depressive Verstimmungen – es schwächt aber gleichzeitig die Wirkung der Antibabypille, vieler Blutverdünner, mancher Krebsmedikamente und bestimmter Antidepressiva. Hochdosiertes Vitamin K kann moderne Blutverdünner unwirksam machen. Magnesium- oder Calciumpräparate können die Aufnahme von Antibiotika und Schilddrüsenhormonen behindern, wenn sie zur falschen Zeit eingenommen werden. Säureblocker aus der Drogerie können die Aufnahme zahlreicher Medikamente verändern.

Genau deshalb ist es so wichtig, dass auch alles, was Sie ohne Rezept kaufen, in die Medikationsanalyse einfließt.


 

Wer profitiert besonders von einer Medikationsanalyse?

Grundsätzlich kann jede Person profitieren, die regelmäßig mehrere Medikamente einnimmt. Besonders empfehlen wir die Erweiterte Medikationsberatung jedoch, wenn Sie:

  • fünf oder mehr Arzneimittel dauerhaft einnehmen,

  • bei mehreren Fachärztinnen oder Fachärzten in Behandlung sind und sich fragen, ob alle voneinander wissen,

  • regelmäßig auch frei verkäufliche Mittel oder Nahrungsergänzungsmittel verwenden,

  • den Eindruck haben, dass eines Ihrer Medikamente Sie schlecht verträgt,

  • unter neuen, unklaren Beschwerden leiden, die zeitlich mit einer Medikamentenumstellung zusammenfallen,

  • Angehörige pflegen und sich Sorgen um deren Medikation machen,

  • nach einem Krankenhausaufenthalt mit einem veränderten Medikationsplan nach Hause gekommen sind und nicht sicher sind, was nun gilt.

Auch jüngere Menschen mit chronischen Erkrankungen – etwa nach einer Organtransplantation, bei rheumatischen Erkrankungen, bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen oder bei psychischen Erkrankungen – profitieren oft von einer strukturierten Analyse.


 

Was wir in der Löns Apotheke für Sie tun

Die Erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation ist eine pharmazeutische Dienstleistung nach dem Vorbild der Bundesapothekerkammer. Sie folgt einer klar definierten Leitlinie und unterscheidet sich deutlich von einer kurzen Beratung am HV-Tisch. Wir nehmen uns Zeit – in der Regel ein bis zwei Stunden Arbeitszeit pro Fall –, um Ihre Therapie systematisch zu durchleuchten.

Schritt 1: Erfassung Ihrer kompletten Medikation

Im ersten Gespräch erfassen wir alle Mittel, die Sie tatsächlich einnehmen. Das umfasst verschriebene Arzneimittel ebenso wie Selbstmedikation, Vitaminpräparate, pflanzliche Mittel und Tees. Wir bitten Sie, dafür alle Packungen mitzubringen – auch die, die Sie nur „bei Bedarf“ verwenden. Ergänzend erfassen wir wichtige Laborwerte (etwa Nieren- und Leberwerte), Vorerkrankungen, Allergien und Ihre persönlichen Anliegen.

 

Schritt 2: Strukturierte Analyse

Anschließend analysieren wir Ihre Medikation in Ruhe – ohne Zeitdruck, mit den modernsten Datenbanken und mit unserer pharmazeutischen Expertise. Wir prüfen:

  • mögliche Wechselwirkungen zwischen den Wirkstoffen,

  • die Angemessenheit der Dosierungen, insbesondere bei eingeschränkter Nierenfunktion,

  • ob es Doppelverordnungen gibt (zwei Mittel mit derselben Wirkung),

  • ob arzneimittelbezogene Probleme vorliegen, die behoben werden können,

  • ob die Einnahmezeitpunkte optimal sind (manche Mittel wirken besser morgens, andere abends, manche müssen mit Abstand zueinander eingenommen werden),

  • ob es Anwendungsprobleme gibt – etwa beim Inhalieren, beim Augentropfen, beim Insulinpen oder beim Öffnen kindergesicherter Verpackungen.

 

Schritt 3: Rückkopplung mit Ihnen und Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt

Auf Wunsch erstellen wir für Sie einen aktualisierten, übersichtlichen Medikationsplan im bundeseinheitlichen Format (BMP). Wir besprechen mit Ihnen, was Sie selbst sofort verbessern können, und welche Punkte mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt geklärt werden sollten. Auf Ihren Wunsch verfassen wir dafür einen schriftlichen Befund, den Sie zum nächsten Arzttermin mitnehmen oder den wir – mit Ihrem Einverständnis – direkt an die Praxis senden.

Wichtig: Wir setzen keine Medikamente eigenmächtig ab und ändern keine Verordnungen. Die Verantwortung für die Therapie liegt bei der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt. Unsere Aufgabe ist es, Hinweise und Vorschläge zu geben, die ärztlich bewertet und umgesetzt werden.


 

Kosten – und warum diese Leistung für Sie kostenlos ist

Die Erweiterte Medikationsberatung wird seit Juni 2022 als pharmazeutische Dienstleistung von der gesetzlichen Krankenversicherung finanziert. Wenn Sie gesetzlich versichert sind und die Voraussetzungen erfüllen (in der Regel: dauerhafte Einnahme von mindestens fünf Arzneimitteln), übernimmt Ihre Krankenkasse die Kosten in voller Höhe. Für Sie ist die Leistung kostenfrei. Sie zahlen weder eine Zuzahlung noch eine Eigenleistung.

Auch privat Versicherte können diese Leistung in Anspruch nehmen; hier klären wir die Kostenübernahme im Einzelfall mit Ihnen.


 

Was Sie selbst zu Ihrer Arzneimitteltherapiesicherheit beitragen können

Auch unabhängig von einer formalen Medikationsberatung gibt es einige Grundregeln, die Ihre Sicherheit im Alltag erhöhen:

Führen Sie immer einen aktuellen Medikationsplan mit sich. Idealerweise im bundeseinheitlichen Format (BMP), das Ihnen Ihre Ärztin oder Ihr Arzt bei mehr als drei Medikamenten ausstellen muss. Wir helfen Ihnen jederzeit gerne, diesen Plan zu prüfen oder zu ergänzen.

Bleiben Sie bei einer Apotheke. Nur wenn alle Verordnungen und Käufe an einer Stelle zusammenlaufen, kann Ihre Apotheke Wechselwirkungen zuverlässig erkennen. Unser Apothekensystem prüft jede neue Verordnung automatisch gegen Ihre bisherige Medikation – das funktioniert aber nur, wenn die Daten vollständig sind.

Sagen Sie uns, was Sie zusätzlich einnehmen. Auch wenn es „nur“ ein pflanzliches Mittel, ein Tee oder ein Nahrungsergänzungsmittel ist – sprechen Sie uns an, bevor Sie es regelmäßig nehmen.

Verändern Sie Dosierungen nie eigenmächtig. Auch wenn ein Mittel scheinbar nicht wirkt oder Nebenwirkungen verursacht: Sprechen Sie zuerst mit uns oder Ihrer Ärztin. Manche Wirkstoffe dürfen nicht abrupt abgesetzt werden.

Beobachten Sie Veränderungen. Wenn neue Beschwerden auftreten – Schwindel, Müdigkeit, Magenprobleme, Stürze, Konzentrationsstörungen –, denken Sie auch an Ihre Medikamente. Notieren Sie sich, wann die Beschwerden begannen und welche Mittel Sie zu diesem Zeitpunkt neu eingenommen haben. Das hilft uns enorm bei der Ursachensuche.

Werfen Sie alte Mittel weg. Medikamente, die seit Monaten in der Schublade liegen und nicht mehr eingenommen werden, gehören entsorgt – sonst werden sie versehentlich verwendet oder gelangen in falsche Hände. Wir nehmen Ihre Altarzneimittel selbstverständlich kostenlos zurück.


 

Unser Versprechen an Sie

Wir verstehen unsere Arbeit als Pharmazeutinnen und Pharmazeuten nicht im Abgeben von Tabletten – sondern darin, dass Ihre Therapie wirkt, verträglich ist und in Ihren Alltag passt. Eine Medikationsanalyse ist dafür eines der wirksamsten Werkzeuge, die wir Ihnen anbieten können. Sie kostet uns Zeit, aber genau diese Zeit ist es, die in der heutigen, oft hektischen Versorgungslandschaft an entscheidender Stelle fehlt.

Wenn Sie also das Gefühl haben, dass Ihre Medikation Sie überfordert, dass etwas nicht stimmt oder dass Sie einfach einmal eine zweite, fachliche Meinung zu Ihrem Medikamentencocktail hören möchten – sprechen Sie uns an.


 

Termin vereinbaren

Eine Erweiterte Medikationsberatung erfolgt nach Terminvereinbarung in einem ruhigen Beratungsraum unserer Apotheke. Bringen Sie bitte alle Medikamente, Ihren Medikationsplan und – falls vorhanden – aktuelle Laborwerte mit. Planen Sie für das Erstgespräch etwa 30 bis 45 Minuten ein.

 

Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit Ihnen einen klaren Blick auf Ihre Therapie zu werfen.

 

 

Verlässliche Quellen:

​Wechselwirkungen mit Alkohol 

 

 

 

 

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